Wege zum Licht

Geschichten

Einer, der auszog, Gott zu suchen

Es war einmal ein Mann –es könnte genauso gut eine Frau gewesen sein-, der entdeckte in sich eine immer größer werdende, allgemeine Unlust. All die Dinge, die ihm vorher noch so viel Spaß gemacht hatten, wurden mit der Zeit immer öder und leerer und so geschah es, dass er eines guten Tages all die Menschen, die ihm nahe standen, sei es seine Familie oder Freunde oder auch die Leute im Dorf zu einer großen Feier einlud und ihnen eröffnete, dass er sich in die Welt hinaus begeben würde, um Gott zu suchen. Vielerlei wurde ihm entgegnet, zum Beispiel, dass er das doch zu Hause auch könne, dass er dafür nur den Pfarrer anzusprechen brauche, der würde ihm das schon erklären, oder er könne auch die alte Gila fragen, auch sie solle eine sehr „gute Verbindung nach oben“ haben. Aber von all diesen Einwänden ließ er sich nicht beirren, er packte seine sieben Sachen und ging zum Dorf hinaus.
Er wanderte durch Wälder, Täler, vorbei an Seen und Bergen.
Da es warm war, schlief er in der Natur und nachts suchte er den Himmel ab und fragte immer wieder voller Sehnsucht, wo er IHN denn nur finden könne, aber auch der Himmel gab ihm keine Antwort. So ging er Tag für Tag weiter und eines Tages kam er an ein großes Gebäude, das sich beim Näher kommen als Abtei herausstellte; er ging hinein und traf auf einen Mönch und auch diesem legte er seine Frage vor und dieser erklärte ihm, er solle, solange er wolle, seinen Aufenthalt im Kloster nehmen. Dort solle er an den Exerzitien und Gebeten teilnehmen, außerdem solle er sich Rat und Unterweisung beim Abt holen, der ein sehr weiser, gottgefälliger Mann sei und dann würde er schon sehen, es würde nur kurze Zeit dauern und er würde sehr genau wissen, wie und wo er Gott finden könne. Gesagt, getan, er trat ins Kloster ein, nahm an den täglichen Übungen der Mönche teil, zog sich in die Einsamkeit seiner Zelle zurück und betete, was das Zeug hielt. Aber irgendwie wusste er immer noch nicht, wohin er seine Gebete richten sollte; er hatte das Gefühl, sie drängen bis an die Grenzen seiner Zelle und dann verpufften sie.
Wieder einmal war er völlig ratlos und auch die Lehren des Abtes waren ihm kein wirklicher Trost mehr und so verabschiedete er sich eines Tages von den Mönchen, die ihm inzwischen doch zu liebevollen Brüdern geworden waren, nahm wieder sein Bündel und ging hinaus in den Tag.
Er wanderte wiederum Tage und Wochen bis er an einen großen Wald kam, hier lebte ein Einsiedler, von dem es hieß, er könne Gott in jedem Baum, in jeder Blume und in jedem Grashalm finden und diesen suchte er nun auf. Dieser erklärte ihm, dass er Gott dadurch gefunden habe, dass er der Natur zugehört habe, dass er mit ihr eins geworden sei und er könne das ebenfalls, indem er es ihm nachtue…also tat unser Freund, wie ihm geheißen und wurde eins mit der Natur, er umarmte Bäume, spürte die Säfte und Ströme in ihnen, spürte ihre uralte Verbindung mit dem Kosmos; er wogte mit dem Gras im Wind und spürte seine Biegsamkeit und Nachgiebigkeit und entdeckte, dass das Gras ein BewußtSein als Gruppe hatte und trotzdem war es sich jedes einzelnen Hälmchen bewusst, spürte wie sich ein jedes fühlte und war glücklich ein Teil dieser Natur zu sein. Dies dauerte eine ganze Zeit lang, bis er gewahr wurde, dass ihm das eigentlich auch nicht reichte, bis er entdeckte, dass er „Gott“ so auch nicht gefunden hatte und wiederum packte er seine Sachen, verabschiedete sich vom Einsiedler und ging wieder seines Weges.
Lange ging er nun auf einsamen und auf belebten Pfaden, fragte hier und dort, doch niemand konnte ihm eine Antwort auf seine wichtige Frage geben, bis er eines Tages ein Mädchen traf; es hatte sich Kästchen auf den Boden gemalt und hüpfte darauf freudig herum. Er dachte zwar, wie soll mir dieses Kind denn helfen, wenn selbst weise und erfahrene Menschen darauf keine erfüllende Antwort hatten, aber weil er schon ziemlich verzweifelt war, fragte er es dennoch. Das Mädchen schaute ihn mit gütigen, lustigen Augen an und sagte, dass es schon wisse, wo sie Gott zu suchen habe, sie fühle sich aber durchaus nicht alt genug ihm das zu erklären, sie wolle ihn aber zu ihrer Großmutter führen, die könne ihm bestimmt helfen. Unterwegs versuchte er das Mädchen auszuhorchen, warum er ausgerechnet von ihr Hilfe erwarten könne, welche besonderen Qualitäten sie besäße oder ob sie vielleicht eine Heilige sei?? Das Mädchen bog sich vor Lachen und meinte: Nein damit kann sie gewiss nicht dienen, sie ist einfach ein Mensch und ich habe sie sehr, sehr lieb und überhaupt lieben sie eigentlich alle. Man weiß immer genau, woran man bei ihr ist, sie sagt’s einem immer gerade heraus. Nach kurzer Zeit kamen sie am Haus der Großmutter an, das Mädchen stellte ihn vor und er wurde eingeladen über Nacht zu bleiben. Es war gemütlich bei der Großmutter, es wurde gegessen, getrunken und gelacht und irgendwann kam er auch zu seiner Frage…..die Großmutter schaute ihn mit liebevollen Augen an, merkte wie ernst es ihm war und sprach: Weißt du mein Sohn, dafür gibt es kein Patentrezept, aber ich denke, wir sollten zuerst einmal zu Bett gehen und Morgen früh nach einem guten Frühstück werde ich dir erzählen, was ich dazu für mich herausgefunden habe, aber vielleicht -bemerkte sie mit einem Augenzwinkern- hast du es ja bis dahin schon selbst herausgefunden…machte ihm ein Bett auf der Couch, wünschte ihm eine gute Nacht und zog sich zurück. Obwohl das Möbel alt und verschlissen war, glaubte er, noch nie so gut gebettet gewesen zu sein und dämmerte schließlich dahin… bis er auf einmal das Gefühl hatte zu schlafen und doch vollkommen wach zu sein, ja und noch etwas hatte sich geändert, er hatte das Gefühl, er habe sich irgendwie verändert; er stand nämlich am Fuße einer riesigen Höhle und irgendwie beschlich ihn das Gefühl, als handle es sich dabei um seinen eigenen Körper; aber was war er dann jetzt?? Er war irgendwie komprimiert und doch höchst agil; jedenfalls ging von dem Tor, das irgendwie an einen Mund erinnerte, eine unglaubliche Anziehungskraft aus, es zog ihn förmlich in sich hinein. Wieder wanderte er los, diesmal durch riesige Gewölbe, über ungeahnte Abgründe, immer weiter –was ihm auffiel, war dieses Glühen, dass die Gewölbe durchdrang; so muss sich Leben anfühlen, so dachte er und wanderte weiter…..- bis er an ein riesiges goldenes Tor kam, das verschlossen war. Es schien unglaublich hoch und die Zwischenräume zwischen den einzelnen Streben waren gerade so groß, dass man einigermaßen hindurch blicken konnte, von Hindurchzwängen ganz zu schweigen. Hindurchzwängen?? Ja richtig er wollte dort hinein unter allen Umständen, er wusste mit einem Mal, dass seine Fragen beantwortet sein würden, wenn er dort hinein gelänge und indem er diesen Wunsch wie auf einen Punkt konzentrierte und seinen Fokus auf dieses Eine lenkte, schwangen die Türen des riesigen Tores wie von Geisterhand bewegt auf und gaben den Blick auf eine atemberaubende Landschaft frei….. Auf den ersten Blick sah es aus, wie eine Landschaft auf der Erde, nur die Farben, die Gerüche, alles war soviel intensiver, er konnte sich nicht satt sehen, er war wie trunken vom Rausch der Sinneseindrücke und er hielt sich eine ganze Weile dort auf. Doch irgendetwas in ihm trieb ihn weiter und irgendwann veränderte sich auch diese Landschaft, sie wurde strukturloser, dafür aber umso Energie geladener; vorher war es so gewesen, dass die einzelnen Aspekte der Landschaft aus sich heraus das Leben spiegelten und überreich wiedergaben, hier war es so, dass die ganze Landschaft aus purem Licht zu bestehen schien er war geradezu geblendet vom Strahlen, dass aus der Landschaft kam und auf dessen Ursache er sich noch keinen Reim machen konnte. Aber das alles war egal, wenn er nur weiter in diesem Licht baden könnte, vielleicht würde er ja eines Tages sogar ein Teil von ihm werden….aber wieder packte ihn die Unrast und es trieb ihn weiter und irgendwann gelangte er in eine Region oder was war es, da schien es nichts mehr zu geben, absolute Leere, Stille…was war das??? Er war doch schon so weit gekommen……war alles umsonst gewesen, hatte er sich selbst genarrt???
Verzweifelt hielt er inne und wusste nicht, was er tun sollte; da spürte er in sich einen Impuls: Fühle noch einmal genau hin, spüre, was das hier wirklich ist, dein Verstand ist hier überfordert….und er spürte, wie sich seine Intuition öffnete und indem er das Wesen dieser Leere erfasste, spürte er, dass sie alles enthielt, dass alles aus ihr geworden ist und irgendwann alles zu ihr zurückkehrt und er tauchte ein ins Wesen der Stille und Leere und er wusste und fühlte mit seinem ganzen Wesen, ich BIN in Gott!!!! Und mit diesem Gefühl schlief er tatsächlich ein.
Am Morgen wurde er geweckt von Sonnenstrahlen, die ins Fenster schauten und vom Geruch von frischem Kaffee und Kuchen; er zog sich an und ging in die Küche, wo er bereits von der Großmutter erwartet wurde –die Enkelin war bereits längst in der Schule-. Sie nahmen ein gutes Frühstück ein, wobei die Frau es immer wieder vermied, auf die Geschichte, die er doch so dringend erzählen wollte, einzugehen. Irgendwann war aber auch dieses Frühstück zu Ende, sie räumten den Tisch ab und machten es sich in der Stube gemütlich; er erzählte von seinem seltsamen Traum, sie hörte interessiert zu, nickte hier und dort mit dem Kopf, lächelte und als er geendet hatte, fragte sie ihn: Und nun, weißt du nun, was Gott ist?? Ja sagte er, es ist diese letzte Leere, dieser Zustand des absoluten NichtSeins, der doch alles enthält!!
Recht hast du, sagte da die alte Frau, und doch auch nicht, denn Gott ist nicht nur das, sondern auch alles, was du je und bis dahin erblicktest; aber hast du eine Ahnung, was das für ein Tor war, durch das du eintreten konntest in Gottes Reich?? Nein, meinte er, es müsse wohl irgendein gewaltiges Tor im Universum sein…..die alte Frau, die eigentümlicherweise mit einem Mal nicht mehr wirklich alt, sondern eher zeitlos aussah, lächelte in sich hinein und meinte liebevoll: Mein Lieber, solange hast du Gott gesucht, auf endlosen Wanderungen hast du einen Lehrer gesucht, der dir das Geheimnis entlüften kann und doch war es immer und ewig so nah bei dir…..das Tor, durch das du letzte Nacht schrittest, war das Tor vor deinem eigenen Herzen… Eines Tages beschlossen die menschlichen Engel, zu vergessen, dass sie ein Teil dieses Einen Großen Gottes waren und es gelang ihnen vortrefflich, aber irgendwann kommt für jedes seiner geliebten Kinder die Zeit, dass diese Sehnsucht es erfüllt, diese Sehnsucht, die durch nichts gestillt werden kann, als durch ihn und sie wird ausgelöst durch den Funken von ihm selbst, von seiner reinen Essenz, und die einzige Eintrittspforte zu dem Ort, an dem dieser Funke im Verborgenen glüht, ist das menschliche Herz, das sich nach seiner unendlichen Liebe sehnt…dieser Funke ist euer Geburtsrecht und wer ihn einmal vollkommen wahrgenommen hat, wird nicht ruhen, bis er ihn zu einem Feuer angefacht hat, das den ganzen Menschen erfasst und ihn verwandelt…… vom GottSucher zum Ruhenden-in-Gott und dem Bewusstsein ein Teil desselben zu sein…….
Sprach`s und war verschwunden; er aber ging zurück in sein Heimatdorf, lebte dort freudig inmitten seiner Gemeinschaft und manch einer fragte sich, ob er denn Gott wohl gefunden habe, denn der mittlerweile Alte, sprach nicht direkt darüber; auf Nachfragen erzählte er immer seltsame Dinge über Herzen und Tore und Funken, aber nie beschrieb er, wie Gott denn nun wirklich aussah…….
Ja meine Lieben, wir selbst habe uns diese Zeit ausgesucht, um diesen heißen Funken in unseren Herzen wieder zu entdecken und ihn zum Feuer zu entfachen, dass uns verwandelt in den göttlichen Menschen, wir sollten dabei aber nicht vergessen, wie wichtig alle Stationen auf unserem Weg waren, denn ohne sie hätten wir das Tor und den Funken in uns niemals gefunden………

Herzlichen Dank, Knut und Leela,